Monat: Juni 2020

Corona-Soforthilfen sind steuerpflichtig

Neben der finanziellen Unterstützung durch unkomplizierte und günstige
KfW-Kredite unterstützte die Bundesregierung auch sog. Solo-Selbstständige,
Angehörige der Freien Berufe, Künstler und Kleinstunternehmen – unter
weiteren Voraussetzungen z. B. Antragstellung bis zum 31.5.2020 – in Form von
Zuschüssen.Der Zuschuss des Bundes für Betriebe, die bis zu 5 Mitarbeiter beschäftigen,
belief sich zunächst bis zu 9.000 € bzw. für Betriebe bis zu
10 Mitarbeitern bis zu 15.000 € für 3 Monate. Neben den Bundeszuschüssen
konnte auch auf Zuschussprogrammen aus den jeweiligen Bundesländern in
unterschiedlicher Ausprägung zugegriffen werden. Bitte beachten Sie! Die Corona-Soforthilfe ist als Betriebseinnahme
steuerpflichtig und wird im Rahmen der Gewinnermittlung berücksichtigt.
Wenn im Jahr 2020 ein positives "zu versteuerndes Einkommen" erwirtschaftet
wird, dann wird hierauf der individuelle Steuersatz angewendet. Die Finanzbehörden
werden in der Regel über die Zahlung der Zuschüsse informiert.

Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer während des Home-Offices

In Zeiten der Corona-Krise können Arbeitgeber ihre Arbeitnehmer anweisen,
von zuhause aus zu arbeiten. Dafür ist normalerweise ein Arbeitszimmer
nötig, wofür der Arbeitgeber i. d. R. auch die daraus entstehenden
Kosten trägt.Ist dies nicht der Fall, können entsprechende Aufwendungen für die
Nutzung des "privaten" Büros zuhause aufgrund von Corona-bedingten
Vorsichtsmaßnahmen – unter weiteren Voraussetzungen – steuerlich als "häusliches
Arbeitszimmer" bis zu einer Höhe von 1.250 € im Jahr als Werbungskosten
oder Betriebsausgaben geltend gemacht werden. Dieser Betrag kann auch zum Tragen
kommen, wenn das Arbeitszimmer nicht das ganze Jahr genutzt wird. Eine Voraussetzung ist, dass dem Steuerpflichtigen für seine berufliche
Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht, was in Corona-Zeiten
der Fall sein dürfte.

Bildet das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten betrieblichen
oder beruflichen Tätigkeit, kommt auch ein unbeschränkter Abzug der
Aufwendungen in Frage. Die Voraussetzungen sind dann jedoch zeitanteilig zu
prüfen. Sind die Aufwendungen höher als 1.250 €, können
sie nur berücksichtigt werden, soweit sie auf den Zeitraum entfallen, in
dem man zu Hause arbeitet.Folgende Aufwendungen können (anteilig nach Fläche) in Ansatz gebracht
werden: Kaltmiete oder Gebäude-Abschreibung, Wasser, Nebenkosten, Müllabfuhr,
Verwaltungskosten, Grundsteuer, Versicherungen, Schornsteinfeger, Heizung, Reinigung,
Strom, Renovierung, Schuldzinsen.Bitte beachten Sie: Eine "Arbeitsecke" im Wohn- oder Schlafbereich
gilt nicht als "häusliches Arbeitszimmer". Ein Arbeitszimmer
ist ein Raum, der nach seiner Funktion und Ausstattung vorwiegend der Erledigung
gedanklicher, schriftlicher, verwaltungstechnischer oder organisatorischer Arbeiten
dient. Er muss auch ausschließlich oder nahezu (zu 90 %) ausschließlich
zu betrieblichen oder beruflichen Zwecken genutzt werden.Die Höchstbetragsgrenze von 1.250 € im Jahr ist personenbezogen anzuwenden,
sodass im Falle der Nutzung durch eine weitere Person, z. B. des Ehepartners,
jeder von ihnen seine Aufwendungen hierfür bis zu dieser Obergrenze steuerlich
geltend machen kann.Aufwendungen für Arbeitsmittel, wie z. B. Schreibtisch, Bücherregal
und PC/Laptop, die der Steuerpflichtige selbst getragen hat, sind bei betrieblicher/beruflicher
Veranlassung als Betriebsausgaben oder Werbungskosten zu berücksichtigen,
auch wenn das Büro nicht als häusliches Arbeitszimmer steuerlich anerkannt
wird. Luxusgegenstände wie z. B. Kunstgegenstände, die vorrangig der
Ausschmückung des Arbeitszimmers dienen, gehören jedoch nicht zu den
abziehbaren Aufwendungen.

Krankheitskosten als Werbungskosten nicht mit der Entfernungspauschale abgegolten

Aufwendungen eines Arbeitnehmers, die ihm bei den Fahrten zwischen Wohnung
und erster Tätigkeitsstätte entstanden sind (sog. Entfernungspauschale),
können im Rahmen der Einkommensteuererklärung geltend gemacht werden.
Dabei wird die einfache abgerundete Kilometerentfernung mit der Anzahl der Fahrten
pro Jahr mit 0,30 € multipliziert. Mit dieser sog. Entfernungspauschale
sind automatisch alle Aufwendungen abgegolten, die einem Arbeitnehmer aufgrund
der Fahrten entstehen können. Nunmehr hat der Bundesfinanzhof (BFH) in seiner Entscheidung vom 19.12.2019
eine Ausnahme – und zwar bei Krankheitskosten, welche durch einen Autounfall
auf der Strecke zwischen Wohnung und erster Arbeitsstätte verursacht wurden
– zugelassen. Im entschiedenen Fall erlitt eine Arbeitnehmerin auf dem Weg von
ihrer Arbeitsstätte nach Hause einen Autounfall. Dadurch entstanden ihr
erhebliche Krankheitskosten, welche vom Finanzamt (FA) nicht als Werbungskosten
anerkannt wurden. Das FA ging davon aus, dass diese Kosten mit der Entfernungspauschale
abgegolten sind. Dem widersprach aber der BFH. Nach seiner Auffassung fallen grundsätzlich
unter die Abgeltungswirkung der Entfernungspauschale nur Kosten, welche wegstrecken-
und fahrzeugbezogen sind, wie z. B. Reparaturkosten eines beschädigten
Kfz. Aufwendungen, welche aus der Beseitigung oder Linderung von erlittenen
Körperschäden stammen, gehören nicht dazu. Für sie ist ein
Abzug als Werbungskosten zusätzlich zur Pauschale möglich, soweit
keine Erstattung durch eine Krankenversicherung erfolgt.

Weltweite Reisewarnung bleibt bestehen

Da die Voraussetzungen für Reisen ins Ausland noch nicht wieder gegeben
sind, verlängert die Bundesregierung die weltweite Reisewarnung für
nicht notwendige touristische Reisen bis 14.6.2020. Bei Reisen im Inland gelten
die Regeln der Bundesländer. Bei allen eventuellen Reisen gilt es die Kontaktbeschränkungen
und Abstandsregeln einzuhalten.Ob die Stornierung einer gebuchten Reise möglich ist, kann nicht pauschal
beantwortet werden, denn die Situationen sind vielfältig. Entscheidend
ist unter anderem, ob es sich um eine Pauschal- oder Individualreise handelt,
ob es ins In- oder Ausland geht und welche Verkehrsmittel genutzt werden.Wenn zum Reisezeitpunkt "unvermeidbare außergewöhnliche Umstände"
oder "höhere Gewalt" vorliegen, also Umstände, die bei der
Buchung nicht vorhersehbar waren – wie z. B. die Corona-Pandemie -, sollte die
Reise kostenlos stornierbar sein.Bei Auslandsreisen gilt die vom Auswärtigen Amt verhängte weltweite
Reisewarnung als "höhere Gewalt". Derzeit ist noch nicht absehbar,
wie lange diese aufrechterhalten werden muss (zzt. bis zum 14.6.2020). Für Reisen innerhalb Deutschlands müssen ebenfalls entsprechende
außergewöhnliche Umstände vorliegen, die zum kostenfreien Rücktritt
von einem Reisevertrag berechtigen. Zur Beurteilung, ob diese Umstände
vorliegen, können die Äußerungen der zuständigen Behörden
in den Bundesländern herangezogen werden.Entscheidend für die Stornierung geplanter Urlaube (z. B. des Sommerurlaubs)
sind die Umstände der "höheren Gewalt" zum Reisezeitpunkt.
Ist beispielsweise der Urlaub erst in einigen Wochen oder Monaten geplant, kann
nicht ohne Weiteres auf eine kostenfreie Stornierung vertraut werden. Die reine
Angst an Covid 19 zu erkranken reicht nicht aus, um eine Reise kostenfrei abzusagen.
Sagt hingegen der Reiseveranstalter die Reise von sich aus ab, muss er den Reisepreis
erstatten.

Corona-Sonderzahlungen an Arbeitnehmer steuer- und sozialversicherungsfrei

Das Bundesfinanzministerium (BMF) räumt Arbeitgebern die Möglichkeit
ein, ihren Beschäftigten Beihilfen und Unterstützungen bis zu einem
Betrag von 1.500 € im Jahr 2020 steuerfrei auszuzahlen oder als Sachleistungen
zu gewähren. Erfasst werden Sonderleistungen, die die Beschäftigten
zwischen dem 1.3.2020 und dem 31.12.2020 erhalten. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Beihilfen und Unterstützungen
zusätzlich zum ohnehin geschuldeten Arbeitslohn geleistet und die steuerfreien
Leistungen im Lohnkonto aufgezeichnet werden. Vom Arbeitgeber geleistete Zuschüsse zum Kurzarbeitergeld bzw. Zuschüsse,
die der Arbeitgeber als Ausgleich zum Kurzarbeitergeld wegen Überschreitens
der Beitragsbemessungsgrenze leistet, fallen nach Angaben des BMF nicht unter
diese Steuerbefreiung. Andere Steuerbefreiungen und Bewertungserleichterungen
bleiben hiervon unberührt. Die Beihilfen und Unterstützungen bleiben
auch in der Sozialversicherung beitragsfrei.Nachdem nicht nach Berufen getrennt werden kann, gilt die Steuerfreiheit für
alle Zulagen bis insgesamt 1.500 € über dem vereinbarten Arbeitslohn,
die zwischen dem 1.3.2020 und 31.12.2020 ausbezahlt werden.

Corona-Krise: Pauschaler Verlustrücktrag für betroffene Unternehmen möglich

Mit der Möglichkeit von der Corona-Krise betroffener Steuerpflichtiger
mit Gewinn- und Vermietungseinkünften einen "pauschalen Verlustrücktrag"
in Anspruch zu nehmen, will das Bundesfinanzministerium (BMF) für kleine
Unternehmen und Selbstständige im Handel, in der Kultur und im Gastronomiebereich
notwendige Liquidität schaffen. So können sie neben den bereits für
2020 geleisteten Vorauszahlungen auch eine Erstattung von für 2019 gezahlte
Beträge bei ihrem zuständigen Finanzamt beantragen, und zwar auf Grundlage
eines pauschal ermittelten Verlustes für das aktuelle Jahr 2020. Von einer Betroffenheit wird regelmäßig ausgegangen, wenn die Vorauszahlungen
für 2020 bereits auf 0 € herabgesetzt wurden.Der pauschal ermittelte Verlustrücktrag aus 2020 beträgt 15 % der
maßgeblichen Einkünfte, die der Festsetzung der Vorauszahlungen für
2019 zugrunde gelegt wurden (max. 1 Million € bzw. 2 Millionen € bei
Zusammenveranlagung). Auf dieser Grundlage werden die Vorauszahlungen für
2019 neu berechnet. Eine Überzahlung wird erstattet. Macht das Unternehmen
wider Erwarten im Jahr 2020 doch Gewinn, muss der Unternehmer diese Finanzspritze
wieder zurückzahlen.
Beispiel des BMF (stark vereinfacht): A erzielt Einkünfte aus Gewerbebetrieb
und hat die für das Jahr 2019 festgesetzten Vorauszahlungen zur Einkommensteuer
von 24.000 € entrichtet. Der Vorauszahlungsfestsetzung für 2019 lag
ein erwarteter Gewinn von 80.000 € zugrunde. Für das Jahr 2020 wurden
Vorauszahlungen von 6.000 € je Quartal festgesetzt. Die Zahlung für
das I. Quartal 2020 hat A zum gesetzlichen Fälligkeitstermin (10.3.2020)
geleistet.
Aufgrund der Corona-Krise bricht der Umsatz des Gewerbebetriebs erheblich ein.
Die Fixkosten laufen aber unverändert weiter. A beantragt unter Darlegung
der vorgenannten Umstände beim Finanzamt eine Herabsetzung seiner Vorauszahlungen
für 2020 auf 0 €. Das Finanzamt setzt die Vorauszahlungen zur Einkommensteuer
2020 antragsgemäß herab und erstattet die bereits geleistete Vorauszahlung
von 6.000 €.Zusätzlich beantragt A auch die nachträgliche Herabsetzung der Vorauszahlungen
für 2019 im Pauschalverfahren. Er versichert, dass er für 2020 aufgrund
der Corona-Krise eine nicht unerhebliche negative Summe der Einkünfte erwartet.
Das Finanzamt setzt die Vorauszahlungen für 2019 auf der Grundlage eines
pauschal ermittelten Verlustrücktrags von 12.000 € (15 % von 80.000
€) herab. Die sich dadurch ergebende Überzahlung wird erstattet.

MwSt-Satz für Speisen in Gaststätten auf 7 % gesenkt

Mit Schreiben vom 23.4.2020 teilt das Bundesfinanzministerium mit, dass es
auch für die Gastronomie Liquiditätshilfe schaffen will. Dafür
hat der Koalitionsausschuss bereits am 22.4.2020 beschlossen die MwSt für
Speisen, die im Restaurant verzehrt werden, auf 7 % (vorher 19 %) zu reduzieren.
Der reduzierte MwSt-Satz galt vorher schon für Speisen, die die Gäste
mitnehmen oder über einen Lieferdienst nach Hause gebracht bekamen. Diese
Regelung gilt zunächst befristet vom 1.7.2020 bis einschließlich
30.6.2021.Bitte beachten Sie! Von der Reduzierung des MwSt-Satzes sind Getränke
ausgeschlossen. Daher werden z. B. Diskotheken, Bars, Clubs etc., die keine
Speisen anbieten, von dem reduzierten MwSt-Satz nicht profitieren.

Teilweise Erhöhungen des Kurzarbeitergeldes

Die Bundesregierung erleichtert den Zugang zum Kurzarbeitergeld rückwirkend
zum 1.3.2020. Danach wird mit dem "Sozialschutzpaket II" eine befristete
Erhöhung des Kurzarbeitergeldes, das u. a. von der Dauer der Kurzarbeit
abhängig ist, eingeführt.Bisher zahlt die Bundesagentur für Arbeit bei Kurzarbeit 60 % und für
Eltern 67 % des Lohnausfalls. Nunmehr soll ab dem 4. Monat des Bezugs das Kurzarbeitergeld
für kinderlose Beschäftigte, die derzeit um mindestens 50 % weniger
arbeiten, auf 70 % und ab dem 7. Monat auf 80 % des Lohnausfalls erhöht
werden. Beschäftigte mit Kindern erhalten ab dem 4. Monat des Bezugs 77
% und ab dem 7. Monat des Bezugs 87 %. Diese Erhöhungen gelten nach derzeitigen
Festlegungen längstens bis 31.12.2020.Eine weitere Regelung sieht vor, dass für Arbeitnehmer in Kurzarbeit ab
dem 1.5.2020 bis zum 31.12.2020 die bereits bestehenden Hinzuverdienstmöglichkeiten
mit einer Hinzuverdienstgrenze bis zur vollen Höhe des bisherigen Monatseinkommens
für alle Berufe geöffnet werden. Hier sind u. U. auch arbeitsrechtliche
Voraussetzungen zu überprüfen. Des Weiteren wird das Arbeitslosengeld
für diejenigen um drei Monate verlängert, deren Anspruch zwischen
dem 1.5.2020 und dem 31.12.2020 enden würde.

Erklärungsfrist für Lohnsteueranmeldungen vorübergehend verlängert

Durch die Auswirkungen des Corona-Virus sind viele Arbeitgeber unverschuldet
daran gehindert, die monatlichen oder vierteljährlichen Lohn­steuer-Anmeldungen
fristgerecht abzugeben. Mit Schreiben vom 23.4.2020 gewährt das Bundesfinanzministerium nunmehr
eine Fristverlängerung im Einzelfall. Danach können Arbeitgebern die
Fristen zur Abgabe monatlicher oder vierteljährlicher Lohnsteuer-Anmeldungen
während der Corona-Krise im Einzelfall auf Antrag verlängert
werden, soweit sie selbst oder der mit der Lohnbuchhaltung und Lohnsteuer-Anmeldung
Beauftragte nachweislich unverschuldet daran gehindert sind, die Lohnsteuer-Anmeldungen
pünktlich zu übermitteln. Die Fristverlängerung darf maximal
2 Monate betragen.

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